Hochwasserschutz weiter optimiert


22.05.2017         12:05         vor 154 Tagen

Vor knapp fünf Jahren wurde der Bevölkerung das Konzept für einen zeitgemässen Hochwasserschutz am Binnenkanal vorgestellt. Zwischenzeitlich wurden vom RBK-Verwaltungsrat alle Varianten geprüft und zahlreiche Untersuchungen vorgenommen. Nun liegt das Vorprojekt vor.

Das Hochwasser am 1./2. Juni 2013 ist noch in bester Erinnerung, hat doch damals der Rheintaler Binnenkanal grosse Siedlungsflächen unterhalb der «Drei Brücken» unter Wasser gesetzt und grossen Schaden angerichtet. Bei derartigen Wassermengen ist die Abflusskapazität des Binnenkanals im Mittelrheintal einfach zu gering. Der Zweckverband Rheintaler Binnenkanalunternehmen war sich dieser Problematik bewusst und hatte der Bevölkerung bereits 2012 ein erstes Hochwasserschutzkonzept vorgestellt. In der Folge lud der Zweckverband verschiedenste Interessensgruppen aus Landwirtschaft, Politik und Umweltverbänden sowie Landbesitzer zur intensiven Diskussion und Mitarbeit ein. Daraus ist nun ein Vorprojekt entstanden, das zwischenzeitlich auch dem Bund und Kanton zur Beurteilung vorgelegt werden konnte. 

Abflussmenge erhöht

Nach zahlreichen Abklärungen und weiterführenden Untersuchungen hat sich gezeigt, dass sich die im ursprünglichen Konzept vorgeschlagenen Hochwasserschutz-Massnahmen grundsätzlich als richtig erwiesen haben – wenn auch mit verschiedenen Anpassungen. So ist bei den «Drei Brücken» nach wie vor ein Damm mit Drosselbauwerk vorgesehen, der im Hochwasserfall die übermässigen Wassermassen für einige Stunden auf den Wiesen zurückbehält und so das Siedlungsgebiet von Widnau, Au, Berneck und Balgach zu schützen vermag. Die nun optimierte, möglichst hohe Abflussmenge vom 95 m3/s beim Drosselbauwerk wird die Landwirtschaftsfläche südlich der «Drei Brücken» weniger oft einstauen als vorher angenommen. 

Damm auf Rietstrasse geplant

Auch wird der dafür notwendige Damm mit der Rietstrasse kombiniert, die ohnehin in den nächsten Jahren vom Kanton totalsaniert werden muss. So ist eine Anhebung der Strasse um bis zu einer Höhe von 1.5 Meter geplant, wobei wegen dem schlechten Baugrund eine spezielle Fundation notwendig ist. Um diese vorab zu testen, ist demnächst eine Versuchsstrecke von rund 50 Meter Länge geplant. Für die Bauernhöfe, die sich im Retentionsraum befinden und bei Hochwasser direkt betroffen sein können, müssen geeignete Objektschutzmassnahmen getroffen werden. 

Sohlenabsenkung nicht möglich

Dagegen haben die zusätzlichen Untersuchungen u.a. aufgezeigt, dass von einer Sohlenabsenkung des Binnenkanals aufgrund des Untergrunds abzuraten ist und eine Überleitung in den Werdenberger Binnenkanal oder den Rhein nur in wenigen Fällen möglich, doch wenig wirkungsvoll wäre. Der Gerinneausbau wird durch einen Lettenabtrag (bereits vorgezogene Massnahmen), eine Uferhöhung zur Sicherstellung des Freibords und die Anpassung von vier Brücken erreicht.

«Notwendiges Projekt»

Die Vorprüfungsverfahren bei Bund und Kanton sind nach mehreren Monaten zwischenzeitlich abgeschlossen. Dabei wurde in den Stellungnahmen festgehalten, dass die Notwendigkeit ausgewiesen sei, und die Kostenbeteiligungen an das 31-Millionen-Projekt zugesichert würden. Es handle sich um ein ausgewogenes Projekt mit wenig Kulturlandverlust. Doch seien im Rahmen des bevorstehenden Bauprojekts auch weitere Verbesserungen notwendig. So werden beispielsweise zusätzliche ökologische Aufweitungen unterhalb der «Drei Brücken» gefordert. Auch sind der Einfluss auf die Seitengewässer und der Überlastfall zu klären. 

Aktueller Verteilschlüssel

Die Kosten für die Hochwasserschutz-Massnahmen werden auf rund 31 Mio. Franken geschätzt. Zwei Drittel der Gesamtkosten werden Bund, Kanton und Dritte übernehmen. Die restlichen 10 Mio. Franken werden aufgrund des neu erarbeiteten Bau- und Unterhaltsperimeters sowie der Gemeindebeiträge aufgeteilt. Die Kostenbeteiligungen sind abhängig vom direkten Nutzen des Projekts und schwanken deshalb zwischen 27'000 (Sennwald) und 3.9 Mio. Franken (Widnau). 

Nächster Schritt: Bauprojekt

In der zweiten Jahreshälfte werden die Ingenieurarbeiten für das Bau- und Auflageprojekt öffentlich ausgeschrieben und vergeben. Ende 2019 wird das ausgearbeiteten Bauprojekt vorliegen. Je nach Dauer des anschliessenden Bewilligungsverfahrens kann frühestens in vier bis fünf Jahren mit dem Bau des nachhaltigen Hochwasserschutzes am Rheintaler Binnenkanal begonnen werden. 

Zurück