Vor knapp fünf Jahren wurde der Bevölkerung das Konzept für einen zeitgemässen Hochwasserschutz am Rheintaler Binnenkanal vorgestellt. Das Echo bei den involvierten Interessensgruppen war gross. Zwischenzeitlich wurden vom RBK-Verwaltungsrat alle erdenklichen Varianten geprüft und zahlreiche Untersuchungen vorgenommen. Das nun vorliegende Vorprojekt hält am Hochwasserrückhalteraum oberhalb den «Drei Brücken» fest, wurde aber bezüglich Dammverlauf und Abflussmenge optimiert. Auch die Kosten konnten auf knapp 31 Mio. Franken gesenkt werden.

Abflussmenge definiert
Ein hoher Wasserspiegel im Rheintaler Binnenkanal hat einen grossen Einfluss auf die Siedlungsentwässerung von Windau, Au und dem Abwasserwerk Rosenbergsau. Abklärungen über das Ausmass des Einstaus, über mögliche Massnahmen zu dessen Verhinderung und deren Kosten haben nun die Abflussmenge definieren lassen. Mit einer Drosselmenge von 95 Kubikmetern Wasser pro Sekunde kann der Hochwasserschutz für die Siedlungsgebiete nördlich der "Drei Brücken" für ein Hundert-Jahr-Hochwasserereignis sichergestellt werden.

Retentionsraum beste Variante
Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse wurden auch verschiedene ergänzende Abklärungen zur Rillisdammschleuse, zum Retentionsraum und zum Gerinne nördlich der "Drei Brücken" durchgeführt. Es hat sich gezeigt, dass die Schliessung der Rillisdammschleuse im Hochwasserfall keinen Einfluss auf die Wasserspiegellage in Widnau/Au hat, die bisher verfolgte Variante Retentionsraum die beste Lösung darstellt und im Gerinne nördlich der "Drei Brücken"  Massnahmen zur Erhöhung der Kapazität und der Sicherstellung des Freibords notwendig sind.

Rietstrasse als Damm
Da der Kanton die Rietstrasse sanieren möchte, wurde vom RBK-Verwaltungsrat gleichzeitig abgeklärt, ob mit entsprechenden Anpassungen nicht gleich diese Strasse als Damm verwendet werden könnte. Die Voraussetzungen dafür wurden positiv beurteilt und so wird mit einer Anhebung der Reitstrasse um bis zu 1.5 m weiter geplant. Aufgrund des instabilen Untergrunds wird die Strasse auf Hybridpfählen fundiert. Im zweiten Halbjahr 2017 wird mit dem Bau einer 50-Meter-langen Versuchsstrecke begonnen.

«Notwendiges Projekt»
Die Vorprüfungsverfahren bei Bund und Kanton sind nach mehreren Monaten zwischenzeitlich abgeschlossen. Dabei wurde in den Stellungnahmen festgehalten, dass die Notwendigkeit ausgewiesen sei, und die Kostenbeteiligungen an das 31-Millionen-Projekt zugesichert würden. Es handle sich um ein ausgewogenes Projekt mit wenig Kulturlandverlust. Doch seien im Rahmen des bevorstehenden Bauprojekts auch weitere Verbesserungen notwendig. So werden beispielsweise zusätzliche ökologische Aufweitungen unterhalb der «Drei Brücken» gefordert. Auch sind der Einfluss auf die Seitengewässer und der Überlastfall zu klären.

Aktueller Verteilschlüssel
Die Kosten für die Hochwasserschutz-Massnahmen werden auf rund 31 Mio. Franken geschätzt. Zwei Drittel der Gesamtkosten werden Bund, Kanton und Dritte übernehmen. Die restlichen 10 Mio. Franken werden aufgrund des neu erarbeiteten Bau- und Unterhaltsperimeters sowie der Gemeindebeiträge aufgeteilt. Die Kostenbeteiligungen sind abhängig vom direkten Nutzen des Projekts und schwanken deshalb zwischen 27'000 (Sennwald) und 3.9 Mio. Franken (Widnau). 

Nächster Schritt: Bauprojekt
In der zweiten Jahreshälfte 2017 werden die Ingenieurarbeiten für das Bau- und Auflageprojekt öffentlich ausgeschrieben und vergeben. Ende 2019 wird das ausgearbeiteten Bauprojekt vorliegen. Je nach Dauer des anschliessenden Bewilligungsverfahrens kann frühestens in vier bis fünf Jahren mit dem Bau des nachhaltigen Hochwasserschutzes am Rheintaler Binnenkanal begonnen werden.