Aktuelle Stand

Der Rheintaler Binnenkanal ist aus unserer Region nicht mehr wegzudenken und wird zwischenzeitlich als "Selbstverständlichkeit" betrachtet. Oftmals wird vergessen, dass erst der Bau dieses Kanals vor knapp 100 Jahren einen Wirtschafts- und Bauboom im Rheintal ermöglicht und ausgelöst hat. 

Kapazitätsgrenze erreicht
Die letzten Hochwasser haben aber auch gezeigt, dass dieses Bauwerk in die Jahre gekommen ist und verschiedentlich nicht mehr den nötigen Schutz bietet. Teilweise ist der Binnenkanal an seine Kapazitätsgrenzen gestossen. Es mussten massive Schäden im Siedlungsgebiet hingenommen werden. 

Von Bund und Kanton unterstützt
Damit der Rheintaler Binnenkanal auch weiterhin wirkungsvoll die Wassermassen regulieren kann, sind Anpassungen unbedingt notwendig. Das vorgeschlagene Hochwasserschutzkonzept entspricht den Vorgaben eines modernen Wasserbaus und wird sowohl von Bund, als auch vom Kanton unterstützt - auch finanziell.

Vor 1900

In urgeschichtlicher Zeit war das st.gallisch-vorarlbergische Rheintal von Gletschern bedeckt. Durch das Abschmelzen bildete sich dann der Bodensee, der anfänglich das ganze Rheintal ausfüllte. Der Alpenrhein und andere Flüsse schütteten das Tal mit Ablagerungen immer mehr auf und drängten den See zurück. Bis in Frühmittelalter wurde dieser Siedlungsraum aber nur spärlich bewohnt. Urkunden aus dem 9. Jahrhundert erwähnen jedoch schon Orte in Rheinnähe und lassen eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung erkennen.

Wichtiger Verkehrsweg
Der Bodensee und der Rhein wurden intensiv als Verkehrswege benutzt. Vor Hunderten von Jahren war der Rhein in unserer Region schiffbar, viele Waren wurden bis in das Gebiet von Hohenems rheinaufwärts gebracht. Von Ufer zu Ufer herrschte ein reger Fährbetrieb, um Personen und Pferdefuhrwerke zu transportieren. 

Hochwasserschutz gefordert
Bis Ende des 19. Jahrhunderts war der Rhein aber ein wilder Fluss, der sein Bett immer wieder neu formte. Ständig musste mit Überschwemmungen gerechnet werden, die dann auch den Begriff "Rhein-Not" prägten. Mit der immer stärker werdenden Besiedelung des Rheindeltas wurde verstärkt auch ein besserer Hochwasserschutz gefordert. 

Entwässerung der Rheinebene
Für eine wirkungsvolle Entwässerung der Rheinebene war jedoch nicht nur die Korrektion des Rheins notwendig, sondern auch der Bau der Binnenkanäle beidseits des Rheins. Die Rheinregulierung wurde dann mit dem Staatsvertrag von 1892 zwischen Österreich und der Schweiz besiegelt.

Der Bau

Schon früh wurde erkannt, dass nebst der Rheinkorrektion auch eine Regulierung der Binnengewässer notwendig war. Im 19. Jahrhundert wurden bereits verschiedene kleinere Projekte für die Binnengewässer entworfen und einzelne Massnahmen auch umgesetzt - mit mässigem Erfolg. Erst der Staatsvertrag zwischen Österreich und der Schweiz im Jahre 1892 ermöglichte es, nebst der Rheinregulierung auch die Binnengewässerkorrektion wirkungsvoll an die Hand zu nehmen. 

Vorfluter unterhalb St. Margrethen
Dank der Einleitung des Rheins in den Fussacher Durchstich stand der alte Rheinlauf von St. Margrethen bis zum Bodensee als wirkungsvoller Vorfluter für den Rheintaler Binnenkanal zur Verfügung. Dieser Hauptkanal sollte dann zur Entwässerung für die ganze Rheinebene von St. Margrethen bis Sennwald dienen. 

Schwierigkeiten während Bau
Mit der Verlegung von Bahn und Strasse wurden ersten Vorarbeiten für den Bau des Rheintaler Binnenkanals 1894-1895 am Monstein vorgenommen. Der Kanal selbst wurde in den Jahren von 1896 bis 1906 erstellt. Doch in den ausgedehnten Torfstrecken waren grosse Schwierigkeiten zu überwinden. Auch Hochwasser während der Bauzeit brachten erhebliche Mehrkosten mit sich. 

Wasserkraftwerke zur Stromgewinnung
Damit keine übermässig grossen Kanaltiefen entstanden, erforderten die Gefällverhältnisse den Bau von Absturzbauwerken bei Lienz, Blatten und Montlingen. Bei diesen drei Gefällsstufen wurden dann Wasserkraftwerke zur Stomgewinnung errichtet, die auch heute noch einen wichtigen Beitrag zur regionalen Stromversorgung leisten.

Mit der Vollendung des Rheintaler Binnenkanals konnte die Ebene wirkungsvoll entwässert und weitere Gewässerkorrektionen in Angriff genommen werden.

Hochwasser 1999

Hochwasserereignisse in der 80-er Jahren sowie um die Jahrtausendwende haben eindrücklich aufgezeigt, dass der Rheintaler Binnenkanal vor allem im Raume Rüthi und Widnau die übermässigen Wassermassen nicht mehr wirkungsvoll ableiten kann. Überflutungen von Wohn- und Industriegebieten haben zu grossen Schäden geführt, wie dieses an Pfingsten 1999.

Hochwasser Pfingsten 1999
Während ein erstes Hochwasser am 12./13. Mai 1999 oberhalb Widnau die üblichen leichten Überschwemmungen Höhe "Mosanger" verursachte, entstanden dann knapp eine Woche später an Pfingsten gravierende Schäden im Siedlungsgebiet von Widnau und Rüthi. Nach intensiven Regenschauern von bis zu 80 mm in 24 Stunden führte der Binnenkanal schon wieder Hochwasser. In Widnau wurden Hochwasserspitzen von 120 m³/s, in St. Margrethen von 140 m³/s gemessen - solche Abflüsse wurden seit dem Bau des Binnenkanals vor über 100 Jahren noch nie verzeichnet. Mit dazu beigetragen hatte aber auch der Werdenberger Binnenkanal, von dem wegen verstopfter Schleusen Wasser in den Rheintaler Binnenkanal floss.

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Gebiet Übrig/Held, Widnau
grid img Gebiet Übrig/Held, Widnau
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grid img Aegeten, Widnau
grid img Heldstrasse, Widnau
grid img Kapelle, Widnau
grid img Drei Brücken
grid img Moosanger, Widnau
grid img Fussballplatz, Widnau
grid img Bahnhofbrücke, Rüthi
grid img Bahnhof/Kamor, Rüthi
grid img ob Bahnhofstrasse, Rüthi

Hochwasser 2013

Die Einsatzkräfte, die beim grossen Hochwasser vom 1. und 2. Juni 2013 im Einsatz standen, haben eine ausserordentliche Leistung erbracht und hervorragend zusammengearbeitet. Doch trotz Dauereinsatz konnte das Hochwasser entlang des Rheintaler Binnenkanals nicht verhindert, sondern das Ausmass der Überflutungen nur eingeschränkt werden. Dafür verantwortlich waren vorwiegend zwei Gründe: Die Niederschlagsmengen Ende Mai und anfangs Juni gehörten zu den grössten, die je gemessen wurden. Zudem waren die Böden wegen des regnerischen Frühlings bereits völlig überlässt und konnten die Wassermengen nicht mehr aufnehmen.